Der renommierte Historiker Jacques Le Goff erzählt die Geschichte des langen Zeitraumes von der "Empfängnis" Europas im 4. bis 8. Jahrhundert über die "Fehlgeburt" des karolingischen Reiches, das glanzvolle Europa der Städte, Universitäten und Kathedralen bis zum "Herbst des Mittelalters" und dem Aufbruch in die Neuzeit. Er beschreibt prägnant und anschaulich die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und bietet das Panorama eines überraschend innovativen und "hellen" Mittelalters, ohne dabei die "düsteren" Seiten - Kriege, Kreuzzüge, Pogrome, Ketzer- und Hexenverfolgungen - zu übergehen. Sein Fazit: Das mittelalterliche Erbe ist das wichtigste aller Vermächtnisse, die im Europa von heute und morgen ihre Wirkung entfalten.
Jacques Le Goff, geboren 1924, ist einer der international angesehensten und meistgelesenen Historiker weltweit. Er war Professor für mittelalterliche Geschichte und Direktor der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Er ist an verschiedenen historischen Forschungs- und Editionsprojekten beteiligt und wurde unter anderem mit der Goldmedaille des CNRS (1991), dem Historikerpreis der Stadt Münster (1993) und dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart (1994) ausgezeichnet. Einleitung. 13
Zum Auftakt: Vor dem Mittelalter. 19 Die Geographie 20 - Antikes Erbe 21 - Ausblick auf die mittelalterliche Genese Europas 27
I. Die Empfängnis Europas (4.-8. Jahrhundert). 29 Die Christianisierung: Augustinus 30 - Die Kulturstifter des Mittelalters 32 - Gregor der Große 34 - Invasionen und Akkulturation 36 - Die Führung der Bischöfe und die Mönche 40 - Neue Helden: die Heiligen 41 - Ein neues Maß der Zeit 41 - Die Umgestaltung des Raums 43 - Zwei abstoßende Pole: Byzanz und der Islam. Die Entscheidung für die Bilder 44 - Die Verländlichung Europas 46 - Königtümer und Gesetze der Barbaren 46
II. Ein fehlgeborenes Europa: Die karolingische Welt (8.-10. Jahrhundert). 48 Der Aufstieg der Karolinger 48 ¿-Karl der Große, der erste Europäer? 50 - Das Bündnis zwischen Franken und Papsttum. Karl der Große als Kaiser 51 - Das europäische Erbe Karls des Großen 53 - Ein Europa der Krieger ... 54 - ... und der Bauern 55 - Die karolingische Zivilisation, eine europäische Schicht 57 - Frankreich, Deutschland, Italien: das Herz Europas? 60
III. Das erträumte und das mögliche Europa des Jahres Tausend. 62 Das kaiserliche Europa der Ottonen 62 - Das "neue Europa" im Jahr Tausend 63 - Die "Neulinge": Skandinavier, Ungarn und Slawen 65 - Eine europäische "Friedensbewegung" 69 - Ein neues europäisches Heiligtum in Spanien: Santiago de Compostela 71 - Die Festigung Europas 72
IV. Das feudale Europa (11.-12. Jahrhundert). 74 Fortschritte im Ackerbau 74 - Die Einbindung in Zellen 76 - Dorf und Friedhof 76 - Die Pfarrgemeinde 78 - Eine Oberschicht: der Adel 78 - Ritterschaft und höfische Sitten 79 - Die Entwicklung der Ehe 83 - Die höfische Liebe 84 - Abaelard und Heloise: moderne Intellektuelle und moderne Lieben 85 - Der Kuss auf den Mund 86 - Die Ritterorden: die Militarisierung 87 - Die Gregorianische Reform: Trennung zwischen Klerikern und Laien 88 - Der Kampf zwischen Tugend und Laster. Der Teufel geht um 89 - Die Volkskultur 90 - Münzen und Urkunden 92 - Die Pilgerfahrten 94 - Feudale Zersplitterung und königliche Zentralgewalt 97 - Ansehen und Schwäche des Kaisers 99 - Der mittelalterliche König 99 - Die Feudalmonarchien 102 - Die europäische Renaissance des 12. Jahrhunderts 108 - Der Aufschwung des Marienkults 109 - Die Hinwendung zum leidenden Christus 112 - Der Mensch nach dem Bild Gottes. Der christliche Humanismus 113 - Ein Europa der Verfolgung zeichnet sich ab 116 - Abtrünnige und Häretiker 116 - Die Judenverfolgung 121 - Die Sodomie 125 - Das doppelte Gesicht der Lepra 126 - Die Entfesselung des Teufels 127 - Die Randgebiete des feudalen Europa 128 - Europa auf dem Kreuzzug 131 - Die Kreuzzüge - erster Ausdruck der europäischen Kolonisation? 137
V. Das "schöne" Europa der Städte und der Universitäten (13. Jahrhundert). 138 Die Erfolge Europas im 13. Jahrhundert 138
1. Der Erfolg der Städte: Das Europa der Stadtbürger. 139 Die Persönlichkeit der europäischen Stadt 145 - Die Hierarchie der städtischen Berufe 149 - Jerusalem oder Babylon? 150 - Stadt und Demokratie? 151 - Definition der Stadt und des Städters im mittelalterlichen Europa 152
2. Der Erfolg im Handel: Das Europa der Kaufleute. 154 Monetäre Probleme 157 - Das Europa der Kaufleute 158 - Die Rechtfertigung des Geldes 159 - Italienische und hansische Kaufleute 162
3. Der Erfolg der Schulen und Universitäten. 166 Die Buchkultur 172 - Enzyklopädische Werke 175 - Die Scholastik 177 - Das sprechende Europa: Latein und die Volkssprachen 182 - Große Literaturen und Meisterwerke 186 - Die Verbreitung der Prosa 187
4. Der Erfolg der Bettelmönche. 189 Ein Europa der Barmherzigkeit 195 - Die Dritten Orden: zwischen Klerikern und Laien 196 - Das gotische Europa 196 - Das höfische Europa 199 - Die zweideutige Aufwertung der Arbeit 200 - Europa, die Mongolen und der Osten 202 - Die Werte steigen vom Himmel auf die Erde hinab 204
VI. Herbst des Mittelalters oder Frühling neuer Zeiten? 210 Hunger und Krieg 210 - Die Schwarze Pest 216 - Der Tod, der Leichnam und der Totentanz 219 - Ein Europa der Gewalt 221 - Die Einheit der Kirche zerbricht: das Abendländische Schisma 230 - Die neuen Häretiker: Wyclifiten und Hussiten 233 - Die devotio moderna 236 - Aufkommende Nationalgefühle 237 - Politische Prophezeiungen 240 - Die Buchdruckerkunst 241 - Die europäische Welt-Wirtschaft 242 - Ein Europa, das sich öffnet und erblüht 243 - Florenz, die Blüte Europas? 244 - Zwei aufgeschlossene Persönlichkeiten: Nikolaus von Kues ... 246 - ... und Pawel Wlodkowic 247 - Verschwindet das Reich? 248 - Die Vereinfachung der europäischen Landkarte 250 - Die Türkengefahr 252 - Der Europaplan des Georg von Podiebrad 253 - Italien, Glanzlicht und Beute Europas 254 - Der Europäer Philippe de Commynes 256 - Europa öffnet sich der Außenwelt 256 - In Richtung Atlantik und Afrika 258 - Die Schiffe und die Seefahrt: Fortschritt und Rückständigkeit 260
Resümee. 262
Anhang Karten. 273 Zeittafel. 277 Anmerkungen. 289 Literaturhinweise. 291 Personenregister. 335
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